Trinitatiskirche von 1891-1943
Geschichtliche Details der Trinitatskirche
Ev.-luth. Pfarrkirche für Anger-Crottendorf, Theodor-Neubauer-Straße 16
Lage
Die Notkirche von 1949/50 erhebt sich an der Stelle ihres zerstörten Vorgängerbaus und wendet sich mit Eingangsfront und Turm der Theodor-Neubauer-Straße zu. Mit der Rückfront berührt sie den Lilo-Hermann-Park, der einst zur Villa des Leipziger Maschinenfabrikanten Karl Krause gehörte.
Geschichte
Am 7.4.1889 wurde Anger- Crottendorf selbständiger Bezirk der Parochie Schönefeld. Der Gottesdienst fand zunächst im Betsaal der damaligen II. Bezirksschule in der Martinstraße statt. 1885 hatte Anger-Crottendorf mit Neusellerhausen 6236 evangelisch-lutherische Einwohner. Seit dem 1.1.1889 bildete das Dorf einen Stadtteil von Leipzig. Am 5.2.1820 kam es zur Gründung eines Kirchenbauvereins. Vorerst wurde nach den Plänen des Leipziger Architekten Paul Lange eine Interimskirche als kreuzförmiger Fachwerkbau errichtet und diese am 27.9.1891 eingeweiht. 1890 gehörten zum Pfarrbezirk 10318 Gemeindeglieder Am 1.6.1892 wurde die Gemeinde selbständig. 1895 erhielt die Kirche den Namen Trinitatiskirche. Der seit 1913 angestrebte Neubau einer Kirche mit Gemeindezentrum durchschritt bis in die dreißiger Jahre mehrere Planungsstufen, kam aber nicht zur Ausführung. Als Architekten erscheinen Raymund Brachmann und zuletzt auch Georg Staufert. Am 4.12.1943 wurde die Interimskirche durch einen Luftangriff zerstört. 1948 begannen Verhandlungen um einen Neubau, der 1949 begonnen wurde. Am 4.6.1950 (Trinitatis) konnte die Kirche eingeweiht werden. Der Entwurf stammte von Otto Bartning (Neckarsteinach bei Heidelberg). Die Kirche ist eine der 49 Notkirchen, die nach dem Krieg als Typenprojekte nach Entwurf von Bartning zum Ersatz für kriegszerstörte Bauten in deutschen Großstädten auf Initiative des Hilfswerkes der Evangelischen Kirche in Deutschland errichtet wurden. Die typisierten Bauteile wurden vom ökumenischen Rat der Kirchen in Genf gestiftet. Nach einer Aufstellung des mit der Bauausführung beauftragten Leipziger Architekten Hans Degelmann handelte es sich dabei um folgende Bauteile: a) das gesamte Tragwerk mit den Eisenteilen, b) die Dachtafeln, die zugleich Isolierungen und innere Holzdecke bilden, und die Dachdeckung, c) das gesamte Gestühl, d) Gebälk und Abdeckung über den gemauerten Anbauteilen e) alle Türen und Fenster mit Beschlag, f) die Empore mit einer beweglichen Wand zwischen Gemeindesaal und Kirche. Die Ziegel für das Mauerwerk wurden aus den Trümmern der zerstörten Interimskirche und der Johanniskirche gewonnen. Insgesamt vermauerte man 250000 Ziegelsteine.
Beschreibung
Die Trinitatiskirche ist eine Notkirche Typ B. Es handelt sich um eine Holzkonstruktion bestehend aus neun Dreigelenkbogenbindern in genagelter Vollwandform mit 11,50 m Stützweite und 11.25 m Höhe. In Anger-Crottendorf ergibt sich durch die Aufstellung von sieben Doppelbindern im Schiff und vier halben Bindern im Altarbereich eine Saalkirche mit 5/8 Schluß. Die Gesamtlänge beträgt 27 m, die Gesamthöhe 12,2 m. Die Fensterzone liegt unmittelbar unterhalb des Dachansatzes und umzieht als Lichtband den Raum. Ein niedriger Anbau links der Eingangsfront und ein 24,5 m hoher Eckturm auf den rechten Seite ergänzen den vorgegebenen Bautyp.
Ausstattung Orgeln
1. Die erste Orgel aus dem Jahre 1891 stammte von der Firma Kreutzbach (Borna). Sie besaß Schleifladen und eine pneumatische Traktur.
2. 1940 wurde ein zweimanualiges Positiv der Firma Ott (Göttingen) angeschafft.
3. 1941 baute die Firma Schuster (Zittau) eine größere Orgel, die 1943 zusammen mit der Kirche zerstört wurde (Taschenladen).
4. In die neue Kirche wurde 1950 durch die gleiche Firma der erste Bauabschnitt einer geplanten dreimanualigen Orgel eingebaut (elektrisch traktierte Tischladen)
5. Dieser Torso wurde 1965 an die Hoffnungskirche, Leipzig-Knauthain, verkauft und 1971 durch einen Neubau der Firma Schuster ersetzt (mechanisch traktierte Schleifladen). Das schlichte asymmetrische Gehäuse steht rechts seitlich auf der Chorempore.
Gedächtnisplatte Christian Fürchtegott Gellert (1715 - 1769).
Die aus der Johanniskirche stammende Tafel befindet sich im Kirchenschiff unterhalb der Chorempore. - Bronze - 1,09 m hoch, 0,72 m breit - vermutlich Ende 19. Jh. - Die Tafel trägt den Namen des Dichters, unter dem ein Buch mit der Aufschrift "Psalter" zu sehen ist. In den Ecken befinden sich Ornamente.
Ecce Homo vom Epitaph des Andreas Winckler (gest. 1675) in der Leipziger Johanniskirche. In der Vorhalle - weißer Marmor - 1,63 m hoch -
Die annähernd lebensgroße Statue des Schmerzensmannes mit gebundenen Händen und erhobenem Blick gehörte ehemals zu dem in der Johanniskirche befindlichen Epitaph Andreas Winckler, welches Johann Heinrich Böhme d.Ä. zugeschrieben wird. Sie war - wohl noch in den 1940er Jahren - aus dem im zweiten Weltkrieg zerstörten Gotteshaus geborgen und in die Trinitatiskirche übertragen worden.
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